sobi österreich seltene Krankheiten

Autoinflammatorische, entzündliche, rheumatologische Erkrankungen

Entzündliche Erkrankungen
 

Entzündungsprozesse sind Anzeichen für die Aktivierung einer Immunantwort.

Typische Merkmale der Entzündungskaskade sind Rötung (rubor), Schwellung (tumor), Wärme (calor), Schmerz (dolor) und Funktionseinschränkung (functio laesa).

Heute wissen wir, dass die Symptome der Entzündung bzw. entzündlichen Erkrankungen durch eine Vielzahl von verschiedenen Einflüssen wie z.B. Infektionen, Verletzungen, Operationen und auch allergische Reaktionen ausgelöst werden können, sehr häufig in Kombination mit einer genetischen Veranlagung und/oder einem bestimmten Lebensstil.

Typische entzündliche Erkrankungen sind z. B. die rheumatoide Arthritis, die Mandelentzündung (Streptokokken-Rachen-Infektion) und die Nesselsucht (Urtikaria). Aber auch bei Erkrankungen ohne typische Entzündungssymptome, wie Diabetes, Arteriosklerose und Asthma sind entzündliche Komponenten beteiligt.

Entzündungen werden durch eine breite Palette von Zellsignalstoffen vermittelt, auch bekannt unter dem Begriff Zytokine. Bei einigen entzündlichen Erkrankungen liegt ein Überangebot von sogenannten proinflammatorischen Zytokinen vor. Viele moderne entzündungshemmende Medikamente zielen in der Behandlung darauf diese exzessiven Entzündungsprozesse gezielt zu neutralisieren, ohne dabei normale Körperfunktionen zu beeinflussen.


Rheumatoide Arthritis 

Die rheumatoide Arthritis (Synonym: chronische Polyarthritis) ist eine chronisch-entzündliche Systemerkrankung des Bindegewebes, die vorwiegend die Gelenke befällt und zu Deformierungen sowie Bewegungseinschränkungen führt.

Typische klinische Manifestationen der rheumatoiden Arthritis sind geschwollene und schmerzende Gelenke, besonders der Hände und Füße. Der Verlauf der Erkrankung ist variabel, häufig chronisch und progredient und führt zu Missbildung und Behinderung.

Patienten mit rheumatoider Arthritis (Polyarthritis) produzieren ein Übermaß an inflammatorischen Zytokinen, darunter Interleukin-1. Dies führt zu schädlichen Einflüssen wie Schwellungen, schmerzende Gelenke und Gewebeschäden.

 

CAPS

Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrome (CAPS) umfassen ein Spektrum seltener periodischer Fiebersyndrome (Inzidenz 1:1.000.000 weltweit)1. Eine autosomal dominante Mutation im NLRP3-Gen ist hier die Ursache für eine verstärkte Ausschüttung von Interleukin-(IL-)1β, dessen Folge Entzündungssymptome wie z.B. Fieber, Ausschlag, Abgeschlagenheit, Arthralgien/Myalgie und Bindehautentzündung sind.

Die mildeste Form von CAPS ist das Familiäre kälteinduzierte autoinflammatorische Syndrom (FCAS), die schwerste die Neonatal-Onset Multisystem Inflammatory Disease (NOMID), die auch chronisches infantiles neuro-kutaneo- artikuläres Syndrom (CINCA) genannt wird.

Dazwischen steht das Muckle-Wells-Syndrom (MWS). Während sich die mildeste Form meist nur mit kurzen kälteinduzierten Episoden von Fieber, Hautausschlag und Unwohlsein präsentiert, zeichnen sich die mittelschweren und schweren CAPS-Formen häufig durch einen chronisch entzündlichen Krankheitsverlauf aus, der unbehandelt mit ernsten Organfolgeschäden assoziiert ist:

• Hör- und Sehverlust
• Schädigung des zentralen Nervensystems, kognitive Einschränkungen
• Wachstumsretardierung, Knochen- und Gelenkdeformitäten
• Amyloidose mit chronischem Nierenversagen

Um die bei CAPS unkontrollierte Überproduktion von IL-1β und somit IL-1 induzierte Entzündungsreaktionen zu normalisieren werden derzeit Therapeutika eingesetzt, die IL-1 blockieren. Diese Therapeutika sind für alle CAPS-Patienten Mittel der ersten Wahl und essentiell, um Langzeitfolgen zu verzögern oder sogar zu vermeiden.


Bei der Diagnose ist eine Differenzierung von anderen periodischen Fiebersyndromen wie FMF (Familiäres Mittelmeerfieber), TRAPS (Tumornekrosefaktor-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom), HIDS (Hyperimmunglobulin-D-Syndrom) und von Morbus Still notwendig. Hierbei kann eine molekulardiagnostische Untersuchung helfen.
 

1 Cuisset L, Jeru I, Dumont B, et al. Mutations in the autoinfl ammatory cryopyrinassociated periodic syndrome gene: epidemiological study and lessons from eight years of genetic analysis in France. Ann Rheum Dis 2011; 70:495–9

 

 Morbus Still

 

Morbus Still (Still-Syndrom) ist wie CAPS eine seltene, systemische, autoinflammatorische Erkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann, an der in der EU ca. 25.000 Kinder und Erwachsene leiden.1

Sie tritt bei Kindern als SJIA (systematische juvenile idiopathische Arthritis) und bei Erwachsenen als AOSD (Adult-Onset Still´s Disease) auf.

Diese Erkrankung ist mit hohem Fieber, flüchtigen Hautausschlag, Gelenkentzündung, Lymphknotenvergrößerung und Entzündungen der serösen Häute gekennzeichnet. Langfristig kann die Erkrankung bei unzureichender Therapie zu chronischer Arthritis und irreversiblen Organmanifestationen führen.

Die Erkrankung wird von zwei Phasen geprägt:

In der ersten Phase als eine entzündliche systemische und in der zweiten Phase als eine chronische gelenksdestruktive Erkrankung. Auch bei der Diagnose des Morbus Still ist eine umfangreiche Differentialdiagnose zur Abgrenzung von anderen Erkrankungen des Immunsystems notwendig. Die Patienten mit Morbus Still zeichnen sich durch erhöhte Spiegel von pro-inflammatorischen Zytokinen wie IL-1, IL-6 und IL-18 aus. Des Weiteren sind CRP, BSG und Serum-Ferritin ausgeprägt erhöht.2

 

1 Interne Schatzung von Sobi. 2 Fachinformation KineretR. Stand der Information: April 2018.

Autoinflammatorische, entzündliche, rheumatologische Erkrankungen

Entzündliche Erkrankungen
 

Entzündungsprozesse sind Anzeichen für die Aktivierung einer Immunantwort.

Typische Merkmale der Entzündungskaskade sind Rötung (rubor), Schwellung (tumor), Wärme (calor), Schmerz (dolor) und Funktionseinschränkung (functio laesa).

Heute wissen wir, dass die Symptome der Entzündung bzw. entzündlichen Erkrankungen durch eine Vielzahl von verschiedenen Einflüssen wie z.B. Infektionen, Verletzungen, Operationen und auch allergische Reaktionen ausgelöst werden können, sehr häufig in Kombination mit einer genetischen Veranlagung und/oder einem bestimmten Lebensstil.

Typische entzündliche Erkrankungen sind z. B. die rheumatoide Arthritis, die Mandelentzündung (Streptokokken-Rachen-Infektion) und die Nesselsucht (Urtikaria). Aber auch bei Erkrankungen ohne typische Entzündungssymptome, wie Diabetes, Arteriosklerose und Asthma sind entzündliche Komponenten beteiligt.

Entzündungen werden durch eine breite Palette von Zellsignalstoffen vermittelt, auch bekannt unter dem Begriff Zytokine. Bei einigen entzündlichen Erkrankungen liegt ein Überangebot von sogenannten proinflammatorischen Zytokinen vor. Viele moderne entzündungshemmende Medikamente zielen in der Behandlung darauf diese exzessiven Entzündungsprozesse gezielt zu neutralisieren, ohne dabei normale Körperfunktionen zu beeinflussen.


Rheumatoide Arthritis 

Die rheumatoide Arthritis (Synonym: chronische Polyarthritis) ist eine chronisch-entzündliche Systemerkrankung des Bindegewebes, die vorwiegend die Gelenke befällt und zu Deformierungen sowie Bewegungseinschränkungen führt.

Typische klinische Manifestationen der rheumatoiden Arthritis sind geschwollene und schmerzende Gelenke, besonders der Hände und Füße. Der Verlauf der Erkrankung ist variabel, häufig chronisch und progredient und führt zu Missbildung und Behinderung.

Patienten mit rheumatoider Arthritis (Polyarthritis) produzieren ein Übermaß an inflammatorischen Zytokinen, darunter Interleukin-1. Dies führt zu schädlichen Einflüssen wie Schwellungen, schmerzende Gelenke und Gewebeschäden.

 

CAPS

Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrome (CAPS) umfassen ein Spektrum seltener periodischer Fiebersyndrome (Inzidenz 1:1.000.000 weltweit)1. Eine autosomal dominante Mutation im NLRP3-Gen ist hier die Ursache für eine verstärkte Ausschüttung von Interleukin-(IL-)1β, dessen Folge Entzündungssymptome wie z.B. Fieber, Ausschlag, Abgeschlagenheit, Arthralgien/Myalgie und Bindehautentzündung sind.

Die mildeste Form von CAPS ist das Familiäre kälteinduzierte autoinflammatorische Syndrom (FCAS), die schwerste die Neonatal-Onset Multisystem Inflammatory Disease (NOMID), die auch chronisches infantiles neuro-kutaneo- artikuläres Syndrom (CINCA) genannt wird.

Dazwischen steht das Muckle-Wells-Syndrom (MWS). Während sich die mildeste Form meist nur mit kurzen kälteinduzierten Episoden von Fieber, Hautausschlag und Unwohlsein präsentiert, zeichnen sich die mittelschweren und schweren CAPS-Formen häufig durch einen chronisch entzündlichen Krankheitsverlauf aus, der unbehandelt mit ernsten Organfolgeschäden assoziiert ist:

• Hör- und Sehverlust
• Schädigung des zentralen Nervensystems, kognitive Einschränkungen
• Wachstumsretardierung, Knochen- und Gelenkdeformitäten
• Amyloidose mit chronischem Nierenversagen

Um die bei CAPS unkontrollierte Überproduktion von IL-1β und somit IL-1 induzierte Entzündungsreaktionen zu normalisieren werden derzeit Therapeutika eingesetzt, die IL-1 blockieren. Diese Therapeutika sind für alle CAPS-Patienten Mittel der ersten Wahl und essentiell, um Langzeitfolgen zu verzögern oder sogar zu vermeiden.


Bei der Diagnose ist eine Differenzierung von anderen periodischen Fiebersyndromen wie FMF (Familiäres Mittelmeerfieber), TRAPS (Tumornekrosefaktor-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom), HIDS (Hyperimmunglobulin-D-Syndrom) und von Morbus Still notwendig. Hierbei kann eine molekulardiagnostische Untersuchung helfen.
 

1 Cuisset L, Jeru I, Dumont B, et al. Mutations in the autoinfl ammatory cryopyrinassociated periodic syndrome gene: epidemiological study and lessons from eight years of genetic analysis in France. Ann Rheum Dis 2011; 70:495–9

 

 Morbus Still

 

Morbus Still (Still-Syndrom) ist wie CAPS eine seltene, systemische, autoinflammatorische Erkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann, an der in der EU ca. 25.000 Kinder und Erwachsene leiden.1

Sie tritt bei Kindern als SJIA (systematische juvenile idiopathische Arthritis) und bei Erwachsenen als AOSD (Adult-Onset Still´s Disease) auf.

Diese Erkrankung ist mit hohem Fieber, flüchtigen Hautausschlag, Gelenkentzündung, Lymphknotenvergrößerung und Entzündungen der serösen Häute gekennzeichnet. Langfristig kann die Erkrankung bei unzureichender Therapie zu chronischer Arthritis und irreversiblen Organmanifestationen führen.

Die Erkrankung wird von zwei Phasen geprägt:

In der ersten Phase als eine entzündliche systemische und in der zweiten Phase als eine chronische gelenksdestruktive Erkrankung. Auch bei der Diagnose des Morbus Still ist eine umfangreiche Differentialdiagnose zur Abgrenzung von anderen Erkrankungen des Immunsystems notwendig. Die Patienten mit Morbus Still zeichnen sich durch erhöhte Spiegel von pro-inflammatorischen Zytokinen wie IL-1, IL-6 und IL-18 aus. Des Weiteren sind CRP, BSG und Serum-Ferritin ausgeprägt erhöht.2

 

1 Interne Schatzung von Sobi. 2 Fachinformation KineretR. Stand der Information: April 2018.